Ein Einblick in die Kriegs - und Nachkriegsjahre
Beschreibung des Skianzuges zum Selbernähen, Bild 5 und 6 Modell 227 / 228
»Der praktische Skianzug oder auch Trainingsanzug, bestehend aus Tuchhose und einer kleidsamen Bluse mit Einsatz. Die Kapuze ist aus zwei geraden Stücken gearbeit. Man kann, will man sie spitzer haben, die Kopfnaht nach oben abschrägen.
Modell 228 Eine Skijacke. Hierfür werden wieder Reste verarbeitet. Die Passe wirkt sehr schön, wenn sie aus Leder gearbeitet wird.«
Diese Modelle sind typisch für die Linienführung der Mode zwischen Mitte der 1930er Jahre und bis hinein in die 1940er Jahre. Kombiniert wird eine sehr weite Hose, deren Bund genau in der natürlichen Taillenhöhe sitzt, mit relativ kurzen Jacken und »Skiblusen«, die in Taille und Hüfte eher schmal geschnitten sind, im Kontrast dazu aber eine ausgeprägte Schulterlinie aufweisen.
Der im Jahr 1939 begonnene zweite Weltkrieg wirkte sich zu Kriegsbeginn umgehend auf das Alltagsleben der Menschen aus: Lebensmittel und Kleidung gab es auf Karte, es wurden Lebensmittelkarten und Kleiderkarten ausgegeben, für besondere Anschaffungen gab es Bezugsscheine. *
Die für Textilien aller Art genutzte Kleiderkarte befugte auch zum Erwerb von Stoffen und Meterwaren, die ebenso wie Konfektionskleidung nach Punkten abgerechnet wurden.
Punktbewertung der Stoffe **
»Die Punktbewertung der Stoffe ist für alle Kleiderkarten, ausgenommen die Säuglingskleiderkarte, gleich. Sie beträgt für das Meter:
A. Wollene oder wollhaltige Stoffe aller Art.......143 cm Fertigbreite....................................................................................16 Punkte
..........................................................................................je volle 9 cm größere oder geringere Breite= 1 Punkt mehr oder weniger
B. Kunstseidene, kunstseidenhaltige und naturseidene Stoffe bis 68 cm Fertigbreite...................................................4 Punkte
..............................................................................................je angefangene 17 cm größere oder geringere Breite = 1 Punkt mehr«
Dieses Beispiel zeigt den höheren Wert von Winterwaren sehr deutlich. So erstaunt die voluminöse Schnittführung der vorgeschlagenen »Norwegerhose« oder auch »Überfallhose«, die einen enormen Stoffverbrauch aufwies um so mehr, vor allen Dingen, da es die etwas sparsamere, weil von Knie bis Fuß schmaler angelegte Keilhose bereits ab. Bei der Jacke hingegen wird der Notwendigkeit zum sorgsamen Umgang mit den rationierten Materialien bereits Rechnung getragen, die angeratene Verarbeitung von Resten sollte sich in den Folgejahren ausweiten und so kann man in den Handarbeitszeitschriften der Kriegs - und Nachkriegsjahre sehr viele Ideen zur Arbeit mit zweierlei oder dreierlei Stoff finden.
Quellenangaben:
* Die Lebensmittelkarte (1939-1945)
Mit Beginn des 2. Weitkriegs bekamen alle deutschen Volksgenossen (so wurden wir damals genannt) eine Lebensmittelkarte und eine Kleiderkarte. Außerdem gab es für besondere Anschaffungen, wie z.B. Kohlen für den Winter oder ein Verdunklungsrollo, Bezugscheine.
Lesenswerte Texte und Berichte von Zeitzeugen des Seniorenbüros Hamburg e.V.
Quelle
**Warenabgabe, Wiederbeschaffung und Preisgestaltung im Textileinzelhandel von Dr. Martin Tripp, Frankfurt am Main im September 1940
ISBN 978-3-663-14700-8
Leseprobe Quelle